Das Typewriter-Museum von Tayfun Talipoğlu – das einzige Museum für mechanische Schreibmaschinen in der Türkei
Im historischen Viertel Odunpazarı, in einem alten osmanischen Haus mit geschnitzten Holzgesimsen und über die Straße ragenden zweiten Stockwerken, verbirgt sich eine ungewöhnliche Sammlung – das Typhoon-Talipoglu-Schreibmaschinenmuseum. Es ist das erste und einzige Museum in der Türkei, das sich ganz der Entwicklung der Schreibmaschine widmet, und eine der größten Sammlungen dieser Art in Europa. Rund zweihundert Geräte aus verschiedenen Epochen und Ländern verwandeln das kleine Holzhaus in Eskişehir in ein wahres Denkmal jener Zeit, als jeder Buchstabe unter dem Klirren metallener Hebel entstand. Das Museum ist nach einem bekannten türkischen Journalisten und Dokumentarfilmer benannt, der sein Leben der Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses gewidmet hat, und gehört heute neben dem Glasmuseum und dem Stadtteil Odunpazarı zu den unverzichtbaren Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Dieses Museum ist ein seltenes Beispiel dafür, wie private Leidenschaft zum öffentlichen Gut wird. Es liegt abseits der typischen Touristenrouten und bewahrt daher eine besondere Atmosphäre: Hier gibt es keine Menschenmassen, keine Audioguides in acht Sprachen und keine riesigen Souvenirläden. Dafür gibt es den Geruch von altem Schmierfett, das Klirren von Kutschen, das Klappern metallener Hebel und Hunderte von Geräten, von denen jedes seine eigene Geschichte erzählt – von Ingenieuren des 19. Jahrhunderts, von Schriftstellern und Journalisten, von einer Epoche, in der Text ein physischer, greifbarer Gegenstand war und keine Pixelzeile auf einem Bildschirm.
Geschichte und Herkunft
Tayfun Talipoglu (1959–2016) – eine Persönlichkeit, ohne die man sich den modernen türkischen Dokumentarfilm nicht vorstellen kann. Als Journalist, Fernsehmoderator und leidenschaftlicher Reisender drehte er zwei Jahrzehnte lang Sendungen über Kleinstädte und vergessene Handwerkskünste der Türkei und eröffnete den Zuschauern so einen Blick auf das Land jenseits der üblichen Touristenrouten. Seine Sendung „Geziğimiz Anadolu“ (Spaziergänge durch Anatolien) wurde zu einem kulturellen Phänomen, und Talipoglu selbst war nicht nur ein Sammler von Geschichten, sondern auch von Gegenständen: Postkarten, alten Radios, Fotoapparaten und vor allem Schreibmaschinen.
Talipoglus Liebe zu Schreibmaschinen entstand bereits während seiner Studienzeit, als er in den Redaktionen von Istanbuler Zeitungen arbeitete und miterlebte, wie die Ära der heißen Linotype-Maschinen und der schweren „Remington“-Modelle zu Ende ging. Er begann, Schreibmaschinen auf Flohmärkten in Istanbul, Ankara und Izmir aufzukaufen, reiste auf der Suche nach Raritäten nach Deutschland, Italien und Großbritannien und tauschte Exemplare mit europäischen Sammlern. Zum Zeitpunkt seines plötzlichen Todes im Jahr 2016 umfasste die Sammlung fast zweihundert Geräte, die mehr als 120 Jahre Geschichte abdeckten – von den ersten kommerziell erfolgreichen Schreibmaschinen der 1880er Jahre bis zu den letzten elektronischen Modellen des späten 20. Jahrhunderts.
Nach dem Tod des Journalisten beschloss die Familie gemeinsam mit der Stadtverwaltung des Stadtteils Odunpazarı, die Sammlung in ein dauerhaftes Museum umzuwandeln. Als Räumlichkeiten wurde ein restauriertes osmanisches Haus aus dem späten 19. Jahrhundert im Herzen des historischen Viertels gefunden. Das Museum wurde 2018 eröffnet und entwickelte sich fast sofort zu einem Anziehungspunkt für Touristen und Liebhaber des Industriedesigns. Der Eintritt in die Sammlung ist kostenlos, was von den Besuchern besonders geschätzt wird: Die Stadtverwaltung betrachtet das Museum als Teil der kulturellen Infrastruktur der Stadt und nicht als kommerzielles Projekt. Eskişehir erlebte in diesen Jahren einen regelrechten Boom der kulturellen Stadtentwicklung: Zum alten Odunpazarı kamen ein modernes Glasmuseum, Festivals für unabhängiges Kino und zahlreiche Galerien hinzu, und das Schreibmaschinenmuseum fügte sich organisch in diese erneuerte städtische Identität ein.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Schon das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, ist sehenswert. Das zweistöckige Haus mit seinem weiß getünchten Erdgeschoss, dem hervorstehenden Holz-Erker und den charakteristischen roten Dachziegeln ist ein typisches Beispiel für die osmanische Stadtarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Nach der Restaurierung wurden im Inneren die ursprünglichen Holzdecken, Nischen und Einbauschränke erhalten, die nun als natürliche Vitrinen für die Exponate dienen. Der Rundgang ist chronologisch und thematisch aufgebaut: Der Besucher durchläuft buchstäblich anderthalb Jahrhunderte der Schriftgeschichte. Schmale Treppen, knarrende Dielen und niedrige Türöffnungen tragen zur Atmosphäre bei – es scheint, als sei das Haus selbst, wie jede gute Schreibmaschine, bereit, jeden Moment mit der Stimme der Epoche zu sprechen.
Saal der frühen mechanischen Schreibmaschinen
Im Erdgeschoss befindet sich der wertvollste Teil der Sammlung – Schreibmaschinen aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Hier sind Nachbildungen der ersten Modelle von Sholes & Glidden zu sehen, die der Welt die vertraute QWERTY-Tastatur bescherten, schwere Messing-„Index“-Schreibmaschinen, bei denen die Buchstaben durch Drehen eines Rads ausgewählt wurden, sowie äußerst seltene Exemplare mit kreisförmiger Tastatur. Alle Geräte sind mit detaillierten Etiketten in türkischer und englischer Sprache versehen, auf denen das Herstellungsjahr, das Herstellungsland und eine kurze Geschichte des Modells angegeben sind. Eine eigene Vitrine ist Design-Experimenten gewidmet – Schreibmaschinen mit zwei Tastaturen, klappbaren Gehäusen und ungewöhnlichen Papiervorschubmechanismen. Hier steht auch der Stolz der Sammlung – eine komplexe Konstruktion von Williams aus dem Jahr 1891 mit „Rückschlag“, bei der die Buchstaben von oben auf das Papier fielen, sowie die äußerst seltene Crandall mit Emaille-Einlagen, die einen Gebrauchsgegenstand in ein Werk der angewandten Kunst verwandelte.
Der Saal des goldenen Zeitalters von Remington und Olivetti
Der zweite Saal ist dem Höhepunkt des mechanischen Zeitalters gewidmet – den Schreibmaschinen der 1920er bis 1950er Jahre. Hier sind die legendären Remington Portable-Modelle zu sehen, auf denen Hemingway und Agatha Christie schrieben, die eleganten italienischen Olivetti Lettera 22, die als eines der größten Beispiele für Industriedesign des 20. Jahrhunderts gelten, sowie die deutschen Olympia, Adler und Erika. Zu den Exponaten gehören Schreibmaschinen mit der türkischen F-Tastatur, die 1955 speziell für die türkische Sprache entwickelt wurde und als eine der ergonomischsten der Welt gilt. Der Vergleich ihrer Tastatur mit der gewohnten QWERTY-Anordnung wird zu einer eigenen intellektuellen Attraktion, besonders wenn der Museumsführer erklärt, wie sich das Schicksal von Millionen von Büroangestellten und Journalisten nach dem Aufkommen dieser Tastaturbelegung verändert hat.
Schreibmaschinen von Prominenten und persönliche Geschichten
Einen besonderen Wert für die Sammlung stellen die Schreibmaschinen mit Geschichte dar – jene, die bekannten türkischen Schriftstellern, Journalisten und Staatsmännern gehörten. Hier werden Geräte aufbewahrt, die mit der Ära des nationalen Journalismus des 20. Jahrhunderts verbunden sind, sowie „Remington“-Schreibmaschinen aus den Redaktionen der größten Istanbuler Zeitungen. Diese Schreibmaschinen werden von Fotos ihrer Besitzer, Faksimiles von Manuskripten und kurzen Audioaufnahmen begleitet, die den Besucher in diese Epoche eintauchen lassen. Die Vitrine mit einem Brief, der vor sechzig Jahren auf einer dieser Maschinen getippt wurde, und der daneben liegenden Maschine selbst ist wohl der eindrucksvollste Teil der Ausstellung: Die Kluft zwischen dem Gegenstand und seiner Spur verschwindet, und die Zeit scheint sich in sich selbst zusammenzufalten.
Saal der elektrischen und elektronischen Schreibmaschinen
Der letzte Abschnitt zeigt den Niedergang des mechanischen Schreibens: elektrische IBM Selectric mit rotierendem Druckkopf, japanische Brother- und Canon-Modelle mit elektronischem Display und Speicher, die letzten Modelle aus den frühen 1990er Jahren. Der Kontrast zu den ersten Exponaten – der fast hundert Jahre alten „Underwood“ – vermittelt ein Gefühl für den zurückgelegten Weg und verdeutlicht, wie rasant diese technologische Entwicklung war. Hier befindet sich auch ein kleiner Stand mit Computermäusen der ersten Generationen und einem alten Modem, die den Übergang ins digitale Zeitalter symbolisieren.
Gedenkraum für Tayfun Talipoglu
Ein separater, intimer Raum ist dem Sammler selbst gewidmet: Hier stehen sein Schreibtisch, seine Kamera, seine geliebte Olivetti, Manuskripte, Auszeichnungen und Ausschnitte aus Dokumentarfilmen. Dies ist ein Ort der Innehaltung – ein Raum, in dem die Führung zu einer persönlichen Begegnung mit dem Menschen wird, dem die Sammlung überhaupt zu verdanken ist. An der Wand hängen seine Mützen und Schals, die man aus Fernsehsendungen kennt, und in der Ecke läuft ein alter Fernseher, auf dem Ausschnitte aus „Gezişimiz Anadolu“ in Dauerschleife zu sehen sind.
Interessante Fakten und Legenden
- In der Sammlung befindet sich ein äußerst seltenes Modell der Hammond Multiplex von 1913 – eine Schreibmaschine, bei der sich die Schriftart mit einem einzigen Handgriff wechseln lässt, ein Vorläufer moderner Schriftarten.
- Die türkische Tastaturbelegung F, die im Museum in Dutzenden von Exemplaren vertreten ist, wurde 2009 als schnellste Tastatur für die Eingabe türkischer Texte in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
- Ein Teil der Schreibmaschinen des Museums ist noch immer funktionsfähig: Besucher dürfen gelegentlich versuchen, ihren Namen auf einer achtzig Jahre alten „Remington“ zu tippen.
- Unter den Exponaten befindet sich eine Schreibmaschine mit arabischer Schrift, die in der späto-osmanischen Ära bis zur Alphabetreform von 1928 in der Verwaltung verwendet wurde – ein seltenes Artefakt einer vergangenen Buchwelt.
- In Eskişehir sind eine Straße und ein Stipendium für Journalistikstudenten nach Tayfun Talipoğlu benannt; das Museum nimmt am jährlichen Dokumentarfilmfestival teil, das im Herbst in der Stadt stattfindet.
- Im Souvenirbereich werden Postkarten verkauft, die auf den alten Schreibmaschinen des Museums gedruckt wurden – jede dieser Karten ist ein Unikat und gilt als kleines Kunstwerk.
- In der Sammlung befinden sich mehrere „Reiseschreibmaschinen“ aus den 1930er Jahren in Lederkoffern: Diese wurden von Kriegsberichterstattern und Ingenieuren auf den Baustellen der Republik mitgenommen, um Berichte und Meldungen zu übermitteln.
- Die kleinste Schreibmaschine der Sammlung ist eine klappbare deutsche Bambino, die etwa so groß ist wie ein Taschenbuch; die schwerste wiegt fast 25 Kilogramm und war für die Buchhaltungsabteilungen großer Banken bestimmt.
Anfahrt
Das Museum befindet sich im Stadtteil Odunpazarı der Stadt Eskişehir, in der Türkmen Hoca Sokak, nur zehn Gehminuten vom zentralen Platz und der Uferpromenade des Flusses Porsuk entfernt. Eskişehir selbst ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Zentralanatolien: Der Hochgeschwindigkeitszug YHT verbindet die Stadt mit Ankara (eineinhalb Stunden) und Istanbul (etwa drei Stunden), was einen Tagesausflug von beiden Hauptstädten aus durchaus realistisch macht. Vom Bahnhof sind es etwa zwei Kilometer zum Museum: Man kann zu Fuß durch den Park gehen, mit der Straßenbahnlinie Estram bis zur Haltestelle Odunpazarı fahren oder ein Taxi nehmen. Autofahrer können ihr Fahrzeug bequem auf dem städtischen Parkplatz am Eingang zum historischen Viertel abstellen – weiter geht es durch Fußgängerzonen. Der Flughafen Anadolu wird hauptsächlich von Inlandsflügen angeflogen; für internationale Passagiere ist es in der Regel bequemer, nach Ankara oder Istanbul zu fliegen und dort in den Hochgeschwindigkeitszug umzusteigen. Von Bursa und Konya aus gibt es ebenfalls bequeme Busverbindungen, die in drei bis vier Stunden zum Busbahnhof von Eskişehir bringen.
Tipps für Reisende
Das Schreibmaschinenmuseum ist täglich außer montags zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet; der Eintritt ist frei, doch in der Hochsaison werden an den Kassen eine begrenzte Anzahl von Tickets mit Zeitangabe ausgegeben, um Gedränge in den kleinen Sälen zu vermeiden. Die beste Zeit für einen Besuch ist ein Wochentag am Vormittag: Dann kann man in Ruhe alle Beschriftungen lesen und mit den Mitarbeitern sprechen, von denen viele Englisch sprechen und sich noch an den verstorbenen Talipoglu erinnern. Planen Sie für die Besichtigung mindestens eine Stunde ein, und wenn Sie sich für Design oder Technikgeschichte interessieren – sogar anderthalb Stunden. Fotografieren ist ohne Blitz erlaubt.
Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch Odunpazarı selbst – ein Viertel, das auf der vorläufigen Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Im Umkreis von 500 Metern um das Museum befinden sich das Museum für zeitgenössisches Glas in Eskişehir, das Lületaşı-Museum (Meerschaum), die Kösehir-Bey-Moschee aus dem 14. Jahrhundert und Dutzende bunter Holzhäuser, die zu Cafés und Galerien umgebaut wurden. Probieren Sie unbedingt die lokale Spezialität – Çibörek (knusprige Teigtaschen mit Fleisch, ein Erbe der tatarischen Küche) – und die Eskişehir-Halva aus Tahini. Für Familien mit Kindern ist das Museum besonders interessant in Kombination mit dem nahe gelegenen Sazova-Park und seinem märchenhaften Schloss sowie mit einer Bootsfahrt auf dem Porsuk, die mit einem Spaziergang durch Amsterdam verglichen wird.
Wenn Sie eine Route durch Zentralanatolien planen, empfiehlt es sich, ein Dreieck Ankara – Eskişehir – Konya zu bilden: Zwischen den Städten verkehren Schnellzüge und Busse, und das kulturelle Programm wird so abwechslungsreich wie möglich. Im Herbst und im Frühling regnet es in Eskişehir häufig – nehmen Sie einen leichten Regenschirm mit, zumal ein Teil der Museumsroute zwischen den Häusern des Viertels verläuft, wo man sich am besten zu Fuß fortbewegt. Liebhaber der Nachtfotografie sollten nach Sonnenuntergang zum Museumsgebäude zurückkehren: Die Beleuchtung der Fassaden von Odunpazarı verwandelt die engen Gassen in eine Kulisse aus einem osmanischen Märchen. Und noch etwas: Im Typewriter Museum von Tayfun Talipoglu geht es weniger um Technik als vielmehr um die Liebe eines Menschen zur Erinnerung, zum Handwerk und zum Wort. Nehmen Sie sich einen Abend Zeit dafür – und Sie werden aus Eskişehir das seltene Gefühl mitnehmen, die Wärme der analogen Ära berührt zu haben.